„Layers“

von Ursula Poznanski

„Kannst du deinen Augen trauen? Die Wahrheit ist vielschichtig.“

„Seit Dorian von zu Hause abgehauen ist, schlägt er sich auf der Straße durch – und das eigentlich ganz gut. Als er jedoch eines Morgens neben einem toten Obdachlosen aufwacht, der offensichtlich ermordet wurde, gerät Dorian in Panik, weil er sich an nicht erinnert: Hat er selbst etwas mit der Tat zu tun? In dieser Situation bietet ihm ein Fremder unverhofft Hilfe an. Der Unbekannte engagiert sich für Jugendliche in Not und bringt Dorian in eine Villa, wo dieser neue Kleidung, Essen und sogar Schulunterricht erhält – das ist Dorians Chance, sich vor der Polizei zu verstecken. Doch umsonst ist nichts im Leben, das erfährt er recht schnell. Die Gegenleistung, die von ihm erwartet wird, besteht im Verteilen geheimnisvoller Werbegeschenke. Als Dorian ein solches Päckchen nach einem unerwarteten Zwischenfall behält, wird er von diesem Zeitpunkt an gnadenlos gejagt.“

Dorian ist froh in der Villa aufgenommen zu werden. Vor allem wieder Unterricht zu haben, freut ihn sehr. Trotzdem ist sein Leben dort nicht das gewöhnlichste. Schließlich muss er draußen in der Stadt diverse Aufträge und Aufgaben übernehmen, bis es plötzlich zu einer Schicksalhaften Wendung kommt und Dorian auf der Flucht vor jemandem ist, wegen etwas, dass er gar nicht versteht. Nach und nach kann er die Puzzleteile zusammensetzen und deckt die Wahrheit auf.

Zuerst muss ich sagen, dass mir das Buch, wie alle Ursula Poznanski Bücher, sehr gut gefallen hat. Es wurde eine Thematik behandelt, die mich zum Nachdenken angeregt hat. Allein die Vorstellung, dass es das, was thematisiert wurde, vielleicht in unserer Welt, in unserer unmittelbaren Umgebung, schon gibt, hat mich doch sehr beängstigt. Ich will gar nicht sagen, um was es geht, weil ich sonst die ganze Spannung vorwegnehmen würde. Beim Lesen hatte ich immer wieder das Gefühl, ich wäre der Auflösung auf der Spur, was sich dann jedoch als Fehler rausgestellt hat. Es kam alles ganz anders als erwartet. Ursula Poznanski hat gekonnt mit den Plots gespielt und für mich waren sie immer an der richtigen Stelle. Ich war völlig überrascht und konnte gar nicht mehr aufhören zu lesen. Der große Plot Twist am Ende, der für eine unglaubliche Spannung gesorgt hat, ist hat mich komplett überrumpelt. Mit einer solchen Auflösung habe ich absolut nicht gerechnet. Ich mochte außerdem wieder die kleine Liebesgeschichte, die sich durch die Geschichte gezogen hat, aber nicht zentrales Ereignis war. Stella und Dorians Beziehung hat sich relativ schnell entwickelt, aber doch so, dass es nicht sehr abwegig war. Die Entwicklung passte gut zu den Charakteren. Die Geschichte hat mir gezeigt, dass man aufpassen sollte, wem man vertraut, und dass man nicht alles glauben sollte, was man liest/hört/sieht. Ich habe es so genossen in die Geschichte einzutauchen und der Realität für ein paar Stunden entfliehen zu können. Der Titel passt sehr gut zum Inhalt des Buches oder umgekehrt? Jedenfalls passt beides perfekt zusammen. Der Schreibstil ist locker und an die Zielgruppe der Jugendlichen angepasst und dennoch baut Ursula Poznanski gekonnt Spannung auf. Die Geschichte spielt in einer Stadt und Umgebung, die nicht genau benannt wird. Es ist immer nur von „der Stadt“ die Rede. Durch die vielen detaillierten Beschreibungen der Stadt, hat sich in meinem Kopf ein Stadtplan entwickelt. Ob dieser eine große Übereinstimmung mit dem von Ursula Poznanski hat, weiß ich nicht, denn es gibt im Buch keine Karte. Was ich jedoch nicht ganz so dramatisch finde. Immerhin bin ich beim Lesen mit dem Stadtplan in meinem Kopf gut zurechtgekommen. Mit Layers habe ich ein paar angenehme, spannende und aufregende Lesestunden verbracht, die mir auch noch Tage danach im Kopf geblieben sind. Vor allem die Thematik hat mich, wie bereits gesagt, nicht mehr losgelassen. Vertrauen ist eine wichtige Fähigkeit, aber Vertrauen kann auch sehr schnell zerstört werden. Bis man Vertrauen aufgebaut hat, kann es lange dauern. Das weiß ich aus eigener Erfahrung. Dennoch kann ich sagen, dass man lernen kann, wieder zu vertrauen. ❤️ Ich gebe dem Buch 5 von 5 Sterne.

„Layers“ von Ursula Poznanski erschien 2015 im Loewe Verlag. Es kostet 14,95€ [D], hat 445 Seiten und du kannst es unter der ISBN 978-3-7855-8230-5 finden (Klappenbroschur).

„Cryptos“

von Ursula Poznanski

„Wohin gehen wir, wenn wir nirgendwo mehr hinkönnen?

Kerrybrook ist Janas Lieblingswelt: Ein idyllisches Fischerdorf mit viel Grün und geduckten Häuschen. Es gibt Schafe, gemütliche Pubs und vom Meer her weht ein kühler Wind. Manchmal lässt Jana es regnen. Meistens dann, wenn es an ihrem Arbeitsplatz mal wieder so heiß ist, dass man kaum mehr atmen kann.

Jana ist Weltendesignerin. An ihrer Designstation entstehen alternative Realitäten, die sich so echt anfühlen wie das reale Leben: Fantasyländer, Urzeitkontinente, längst zerstörte Städte. Doch dann passiert ausgerechnet in Kerrybrook, der friedlichsten Welt von allen, ein Verbrechen. Und Jana ist gezwungen zu handeln …

Extrem spannend – beklemmend aktuell

Die Erde wie wir sie kennen, existiert so nicht mehr. Überall verbrannte Erde und es ist so heiß, dass man kaum mehr außerhalb von Gebäuden leben kann. Darum hat sich die Menschheit Welten designt, die der vergangenen Realität ziemlich genau entsprechen. Die Bevölkerung reist über Kapseln in diese virtuellen Realitäten. Nur die Designer verbringen den größten Teil ihres Lebens in der trostlosen realen Welt und gestalten an Computern Designwelten. Jana ist eine Designerin und erst frisch im Team. Doch plötzlich passiert etwas Grausames in einer ihrer Welten, in Kerrybrook, und sie ist gezwungen zu handeln. Sie muss herausfinden was passiert, denn es scheint, dass nur ihre Welten betroffen sind. Dabei begibt sie sich nichtsahnend selbst in Lebensgefahr…

Dieses Buch war unglaublich spannend. Bis zur Hälfte des Buches habe ich mich auf eine Dystopie eingestellt, in welcher die Elemente eines Kriminalromans überwiegen. Doch dann bekam das Buch eine Wendung, mit der ich nicht gerechnet hätte. Superspannend und absolut überzeugend. Nicht nur weil es die aktuelle Problematik des Klimawandels behandelt, sondern auch weil der voranschreitenden Digitalisierung eine hohe Bedeutung zu kommt. Mit Jana haben wir zwar eine Protagonistin, die sich sehr gut mit Teilbereichen der Informatik auskennt, dadurch dem „Durchschnittsmenschen“ jedoch nicht sehr fern wirkt. Ihre Emotionen sind zwar weniger stark ausgeprägt, dafür jedoch ihre Neugierde und ihr Drang nach Informationen. Dies ist meiner Meinung nach für das Buch auch wesentlich wichtiger. Seinen Emotionen kann man auch nach dem Sammeln von äußerst wichtigen Informationen noch freien Lauf lassen… Was der Titel mit dem Buch zu tun hat erfährt man erst später im Buch. Ich empfehle „Cryptos“ an alle, denen in einem spannenden Buch die richtige Mischung an kriminalistischen und romantischen Elementen sowie (was bei einer Dystopie nicht fehlen darf) beklemmenden Gefühlen wichtig ist (Es gab kleine romantische Teile, die aber nicht gestört haben). „Cryptos“ ist sicherlich auch für Fans von Informatik. Das Buch hat bei mir vieles ausgelöst. Ich war nicht nur schockiert, sondern auch in gewisser Weise beruhigt und froh. Warum? Einerseits sind das ein Teil meiner Gefühle während des Lesens gewesen, andererseits versteht ihr es, wenn ihr selbst das Buch gelesen habt. Ich kann es nur empfehlen und gebe „Cryptos“ 5 von 5 Sternen.

„Cryptos“ ist von Ursula Poznanski geschrieben und erschien 2020 im Loewe Verlag. Du kannst es unter der ISBN 978-3-7432-0050-0 finden. Das Buch kostet 19,95 € und hat 444 Seiten.